JULIA aus Köln, 35, Dipl.-Sportwissenschaftlerin. Zur Zeit in Elternzeit, Mutter der beiden Töchter; 3 Jahre und 10 Monate alt. Lebt mit ihrer Partnerin Janine in einer festen Partnerschaft.
JANINE aus Köln, 33, promovierte Dipl.-Psychologin. Arbeitet Vollzeit an der Sporthochschule.
Wer hat eure Kinder bekommen?
Julia: Ich hatte schon als Teenager gesagt, dass ich irgendwann Kinder will. Erst dachten wir, dass jede ein Kind bekommt. Ich habe dann das erste Kind bekommen, weil ich älter bin und Janine gerade ihre Doktorarbeit geschrieben hat. Das zweite habe auch ich bekommen, weil ich es so schön fand. Und mit dem Spender war es auch besser so, wir hätten uns jemand anderen suchen müssen, denn der Samenspender beim ersten Kind war Janines Bruder.
Janine: Ich hätte schon Lust, ein Kind auszutragen. Aber das wird wohl nicht passieren, denn erstens müssten wir uns einen anderen Spender suchen und zweitens sind wir mit den zwei Kindern voll ausgelastet. Die Arbeit bei zwei Kindern verdoppelt sich nicht, die vervielfacht sich, und die Belastung im Moment ist so hoch, dass wir uns ein drittes Kind nicht vorstellen können. Man braucht dann ja auch ein größeres Auto, ein größeres Haus und so. Und ich finde, in dem Moment wo das Kind auf der Welt ist, ist es auch egal, wer es ausgetragen hat. Klar ist Julia der erste Ansprechpartner, aber das liegt einfach daran, dass sie zu Hause ist.
Wie war das mit dem Samenspenden?
Janine: Am Anfang haben wir acht Versuche gebraucht, wir waren einfach zu doof, den Eisprung auszurechnen. Dann haben wir aber mal genauer gerechnet, und dann hat es auch ziemlich schnell geklappt. Beim zweiten Kind war es ein Schuss, ein Treffer.
Der Samenspender hat keine 100% aktive Vaterolle, weil er nicht in Köln, sondern in Mainz wohnt. Am Anfang, als wir auch noch in Mainz gewohnt haben, war er einmal die Woche da und hat auf die Kleine aufgepasst. Jetzt kommt er manchmal zu Besuch. Die Kinder sollen ihn auch Papa nennen, es ist eben einer da, und das macht es für die Kinder vielleicht auch einfacher. Gerade im Kindergarten kommen so Sprüche „Wo ist dein Papa?“ Wir haben mit ihm einen Vertrag gemacht: Keine Rechte, keine Pflichten. Er kann, aber er muss sich nicht beteiligen. Wir haben ihn auch nicht als Vater eintragen lassen.
Wie reagiert denn euer Umfeld auf eure Familie?
Janine: Die sind überrascht, aber durchweg positiv. Wir verbergen das nicht, und ich habe noch keine negative Reaktion bekommen. Meine Mutter fands super. Endlich Oma! Mein Vater war erstmal geschockt und hat wenig dazu gesagt. Aber mittlerweile freut er sich und ist gerne Opa.
Julia: Meine Mutter hat immer gesagt „Ich bekomme ein künstliches Enkelkind.” Da dachten die Leute im Dorf, das wäre eine künstliche Befruchtung. Sonst haben sie sich gefreut.
Julia, wie war die Schwangerschaft?
Julia: Die erste Schwangerschaft war körperlich gut. Die zweite war wesentlich anstrengender, weil schon ein Kind hier rumgehüpft ist. Ich war natürlich stolz. Bei der ersten Schwangerschaft habe ich immer im Internet in den Kalender geschaut, was sich jetzt beim Kind entwickelt hat. Und ich habe einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht, den ohne Partner.
Janine: Ja, ich hatte keine Lust, in den Kurs mitzugehen und da mit den ganzen Paaren zu sitzen.
Julia: Der Kurs war ziemlich für den Arsch. Der hat nur noch mehr Angst vor der Geburt gemacht. Die Leiterin hat nur erzählt, wie die Geburt ablaufen kann, wie lange es dauern kann, welche höllischen Schmerzen man haben kann. Das war irgendwie blöd, das hätte ich so gar nicht wissen wollen. Und Atemübungen haben wir gar nicht gemacht.
Wie war die Geburt?
Janine: Die erste war ziemlich schrecklich. Sie kam zuerst mit der Stirn raus und da habe ich ewig rumgemacht. Im Endeffekt musste sie mit der Saugglocke rausgeholt werden. Die zweite Geburt war gut.
Wie war die erste Zeit nach der Geburt?
Janine: Beim ersten Kind war es blöd, das war mitten im Semester, da habe ich keinen Urlaub nehmen können. Da kam Julias Mutter für ein paar Stunden am Tag.
Julia: Mir gings nicht so gut. Ich hatte Schmerzen, weil ich einen so tiefen Schnitt hatte. Ich konnte vor Schmerzen kaum stehen, habe aber unsere Tochter fast die ganze Nacht rumgetragen, weil sie nur gejammert hat. Also in den ersten Wochen war ich eigentlich nur mit mir beschäftigt. Ich saß wochenlang auf dem Schwimmreif, weil ich nicht sitzen konnte; das hat sich dann noch entzündet und so. Die Brüste waren am Anfang so prall und die Milch ist nur so rausgeflossen, da war überall immer Milch.
Wie war die Situation, als das zweite Kind kam?
Janine: Ich kann schwer auseinanderhalten, ob sich das, was sich verändert hat, durch das zweite Kind oder den Umzug verändert hat. Das fiel ja so zusammen, dass wir in eine neue Stadt gezogen sind. Man musste sich um alles neu kümmern, und das war am Anfang total anstrengend.
Julia: Die Omas sind halt nicht mehr greifbar, die wohnen 200 km entfernt, und der Vater auch. Dort konnten wir auch abends mal was zusammen unternehmen. Das entlastet schon ungemein. Hier haben wir keinen Babysittter mehr an der Hand. Wir hatten es vor kurzem mal versucht, aber da hatten die Kinder keine Lust auf die Babysitterin. Mit Verwandschaft ist das irgendwie einfacher, da sind die Kinder nicht so skeptisch. Selbst wenn sie die länger nicht gesehen haben. Das hat wohl was mit dem Stallgeruch zu tun, anders kann ich es mir nicht erklären. Die Große ist im Moment auch sehr anhänglich, das hat angefangen, als sie in den Kindergarten kam.
Wie habt ihr die Kinderbetreuung geregelt?
Julia: Ich bin seit der Geburt unserer ersten Tochter zu Hause; Janine geht Vollzeit arbeiten. Ich finde es besser, wenn die Kinder die ersten drei Jahre bei der Mutter sind. Ich habe Kinder erlebt, die, bevor sie drei Jahre alt wurden in den Kindergarten kamen, und denen ist das nicht gut bekommen. Die wurden aggressiver und haben mehr an der Mutter gehangen. Den Kindern tut es nicht gut, wenn man sie früher abgibt. Gut, es ist was anderes, wenn man sie bei der Oma abgibt und arbeiten geht, aber die Möglichkeit haben wir nicht.
Janine: Ich finde, es ist was anderes, wenn man arbeiten muss. Wenn jemand sein Kind freiwillig abgibt, ist vielleicht die Beziehung zu dem Kind auch anders, als jemand, der gerne zu Hause bleiben würde, aber arbeiten gehen muss. Im Prinzip ist es Luxus, weil wir es schaffen, mit meinem Gehalt durchzukommen. Ich finde es schön, dass Julia zu Hause ist und denke, es ist für die Kinder die beste Lösung. Als Tamina fast drei Jahre alt war, hat man auch gemerkt, dass es Zeit für den Kindergarten wird. Sie wurde unruhig und hat sich gelangweilt. Der Kindergarten tut ihr schon gut.
Julia, wie ist es für dich zu Hause zu sein?
Julia: Ich vermisse die Arbeit gar nicht, ich habe eher Freizeitstress. Ich unternehme viel mit den Kindern; schwimmen, turnen, Krabbelgruppen und so.
Janine, bist du damit zufrieden, dass du Vollzeit arbeiten gehst?
Janine: Ja, absolut. Ich mag das gerne mit den Kindern, aber ich bin nicht der Typ, der auf Dauer zu Hause bleiben will. Ich finde es super, dass Julia das macht, aber ich könnte auch verstehen, wenn sie wieder arbeiten gehen will. Es ist ja auch anstrengend, zu Hause mit den Kindern zu sein. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, dann komme ich in meinen zweiten Job. Also Feierabend habe ich erst, wenn die Kinder ins Bett gehen. Es will eben immer ein Kind was von dir, dann der Krach. Da hat man überhaupt keine Zeit mehr für sich.
Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei euch aus?
Janine: Gegen sechs, halb sieben kommt die Große zu uns rüber ins Schlafzimmer. Meistens stehe ich dann gegen sieben auf und mache Milch warm und dann ziehe ich beide Kinder an. Dann steht Julia irgendwann auf. Ich bringe die Große in den Kindergarten und fahre selbst zur Arbeit. Sie ist von neun bis zwei Uhr im Kindergarten. Dort isst sie auch zu Mittag.
Julia: Ich bin dann mit der Kleinen zu Hause. Mit ihr frühstücke ich und meistens schläft sie danach nochmal. Wenn ich müde bin, lege ich mich dazu. Dann gehe ich mit ihr schwimmen, in die Pekib-Gruppe oder einkaufen. Mittags hole ich die Große vom Kindergarten ab. Sie hat dort ja eigentlich schon gegessen, aber meistens hat sie Hunger, wenn sie nach Hause kommt. Zweimal die Woche hat Tamina nachmittags Musikschule oder Schwimmen, ansonsten spielen wir viel draußen. Wenn Tamina beim Schwimmen ist, kommt Janine früher von der Arbeit nach Hause und betreut zu Hause die Kleine, oder ich bleibe zu Hause und Janine geht mit zum Schwimmen.
Janine: Das Gute an meiner Arbeit ist, dass ich mir die Zeit flexibel einteilen kann. Ich muss mich zwar ab und zu mal sehen lassen und habe auch einige feste Termine, aber solange die Arbeit gemacht ist, ist es okay. Von zu Hause aus kann ich aber nur begrenzt arbeiten, denn ich habe hier keinen Zugriff auf die Dateien auf meinem Büro-PC. Und ich kann hier auch nicht in Ruhe arbeiten; da kommt Tamina dann alle fünf Minuten. Standard ist, dass ich gegen 18 Uhr nach Hause komme. Dann essen wir zu Abend, spielen noch ein bißchen und dann geht’s ins Bett. Wir bringen Tamina abwechselnd ins Bett. Mal darf nur die Mama, mal nur ich, wie sie gerade Lust hat.
Habt ihr Freiräume?
Janine: Begrenzt. Also nicht zusammen. Mir ist der Sport als Ausgleich wichtig, und ich schaue, dass ich regelmäßig Sport mache. Das mache ich tagsüber während der regulären Arbeitszeit. Da geht also wenig zusätzliche Zeit wegen Fahrerei oder so drauf. Das ist der Vorteil an der Sporthochschule: Alle Sportstätten sind direkt da und man hat auch Kollegen, die Lust haben, Sport zu machen.
Julia: Ich gehe einmal die Woche im Chor singen. Ich spiele Trompete und suche im Moment auch eine Big Band, wo ich mitspielen kann. Dann hätte ich zwei freie Abende.
Und am Wochenende?
Julia: Da stehen wir früh auf und dann: putzen, einkaufen, kochen.
Janine: Wenn wir es schaffen, dann kauft Julia schon Freitags ein. Richtig freie Wochenenden haben wir sehr wenige. Mal sind wir in unserer Heimat oder haben Leute hier zu Besuch. Ich bin auch manchmal am Wochenende auf Tagungen. Dieses Jahr sind das fünf Tagungen.
Julia: Wenn sie Tagungen hat, fahre ich oft zu meinen Eltern. Dann nimmt mir meine Mutter viel ab und ich kann auch mal Leute von früher treffen.
Hat sich in eurer Beziehung durch die Kinder etwas verändert?
Janine: Auf jeden Fall. Wer behauptet, dass sich in der Beziehung nichts verändert hat, der lügt. Man hat einfach keine Zeit mehr zu zweit. Wenn man in der Luxussituation ist und die eigenen Eltern um einen rum wohnen, wo man die Kinder dann mal abgeben kann, sieht es vielleicht ein bißchen anders aus.
Julia: Man ist quasi immer mit den den Kindern beschäftigt, und wenn die dann mal schlafen, ist man kaputt. Dieser ständige Schlafmangel, da stößt man echt an seine Grenzen und ist auch empfindlicher. Da reagiert man öfters übertriebener, als es sein müsste und es kommt schon öfters mal zu einem Streit als vorher.
Janine: Es ist auch ständig eine der beiden krank seit die Große im Kindergarten ist. Dann gehen die Nächte erst recht flöten. Manchmal schläft einer von uns im Gästebett, um wenigstens mal eine Nacht durchschlafen zu können.
Julia: Wir nehmen uns auch immer vor, abends mal früher ins Bett zu gehen, aber das schaffen wir irgendwie nie.
Janine: Ich freue mich schon auf die Tagung, weil ich da durchschlafen kann.
Julia: Beim ersten Kind konnte ich mich auch hinlegen, wenn sie geschlafen hat. Jetzt kann ich mich nur hinlegen, wenn beide schlafen oder die Große im Kindergarten ist. Das erste halbe Jahr, als die Große noch nicht im Kindergarten war, war es total heftig. Das war eine große Erleichterung, als Tamina dann in den Kindergarten kam.
Janine: Da kam auch alles zusammen: Ich habe die Promotion abgeschlossen und wir waren gerade frisch hier her gezogen. Der fehlende Schlaf ist im ersten halben Jahr auch wirklich am schlimmsten, da war sie teilweise alle zwei, drei Stunden in der Nacht wach.
Wie versucht ihr, dem Stress entgegenzusteuern?
Julia: Wir haben jetzt gezielt vier Tage Wellness-Urlaub gebucht. Dann sind wir gestärkt und es kann weitergehen. Solange nehmen meine Eltern die Kinder.
Janine: Ich glaube, es ist schon wichtig, dass man nicht nur zu Hause hängt. Ich könnte das noch weniger als Julia. Wenn man so gar keine Abwechslung hat, ist man nur noch unausgeglichener. Ich habe ja die Arbeit, und die macht mir auch Spaß. Manchmal ist die Arbeit Urlaub im Vergleich zu den Kindern.
