ASTRID aus Köln, 34, Bibliotheksassistentin. Verheiratet, Drillinge, 6 ½ Jahre alt, seit der Geburt Hausfrau.
Wie war es, als du erfahren hast, dass du Drillinge bekommmst?
Zwei Jahre nach der Hochzeit war klar, dass wir ohne ärtzliche Hilfe keine Kinder bekommen können. In Deutschland darf man maximal drei Eizellen einsetzen lassen. Die Chance, schwanger zu werden, liegt dann nur bei 20 %. Also habe ich gesagt: drei, klar. Wie man so mit 26 ist: volles Rohr. Die ersten beiden Versuche sind fehlgeschlagen. Beim dritten Mal sagte mir die Ärztin: Es hat geklappt. Eine Woche später hieß es: Es sind zwei. Dann habe ich gedacht: Schön, jetzt hat sich der ganze Aufwand also gelohnt. Zwei Wochen später hieß es dann, es sind drei. Da war ich froh, dass ich saß. Aber mein Mann, der grinste übers ganze Gesicht, und dann dachte ich, das schaffen wir auch noch. Für eine Minute war ich baff, aber dann wich das der Freude. Es weiß ja keiner, was so auf einen zukommt. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir mehr Kopfzerbrechen gemacht.
Wie war die Zeit, als du die Hormone genommen hast?
Ich habe ein Jahr lang Hormone genommen. Ich hatte Hitzewallungen – mit Ende 20. Und mein Mann sagt, ich sei in dieser Zeit launisch gewesen. Aber man nimmt es halt auf sich, weil wir uns ein Leben ohne Kinder nur sehr schwer vorstellen können. Wir sind beide nicht so die Karrieremenschen; Familie gehört für uns dazu. Wir hatten auch schon überlegt, dass wir ein Kind adoptieren, wenn es nicht klappt. Ich hatte schon zu einer Organisation Kontakt aufgenommen und es war im Gespräch, dass wir ein Kind aus Äthiopien adoptieren. Aber dann hat es beim dritten Versuch ja geklappt.
Wie war die Schwangerschaft?
Das war eine furchtbar langweilige Zeit. Ich war direkt als Risiko eingestuft, hatte aber überhaupt keine Probleme, nur sehr viel Wasser. Ich konnte mich nicht mehr bücken, um die Schuhe zuzubinden. Ansonsten gings mir gut. Geärgert hat mich an der Schwangerschaft, dass ich nichts machen durfte. Der Arzt sagte, ich dürfte nicht mehr als zwei Kilo heben. Ich saß den ganzen Tag auf der Couch, meinen Job konnte ich in der 7. oder 8. Schwangerschaftswoche auch schon nicht mehr machen, weil mir auf der Arbeit schlecht wurde. Die haben sich dort super um mich gekümmert und ich hätte auch gerne weitergearbeitet, aber es war einfach nicht machbar. Ich habe viel gelesen, allerdings Romane. Ich wollte mich nicht mit Schwangerschaftsratgebern verrückt machen. Ich wollte es lieber auf mich zukommen lassen: Was kommt, das kommt. Ich muss es nicht nach Lehrbuch machen, ich mache das intuitiv, und bisher bin ich gut damit gefahren.
Wie lief die Geburt ab?
Es war ein Kaiserschnitt. Das machen die bei Drillingen immer, weil da das Risiko zu groß ist, die Kinder spontan zur Welt zu bringen. Ich wollte eine Rückenanästhesie, aber das hat nicht geklappt, und dann bekam ich eine Vollnarkose. Die Kinder kamen direkt in den Brutkasten und bei mir wurden die Wunden versorgt. Deswegen habe ich die Kinder erst am nächsten Tag gesehen. Mein Mann hat die Kinder gleich mit der Digitalkamera fotografiert und mir die Bilder gebracht. So konnte ich sie wenigstens auf einem Foto sehen. Das war irgendwie ein unwirkliches Gefühl: Man schläft ein, wacht auf und hat drei Kinder. Aber das Unwirkliche war schnell weg, als ich die Kinder gesehen habe.
Wie war dann der Moment, als du die Kinder zum ersten Mal gesehen hast?
Zuerst habe ich gedacht: Sind die klein! Dabei waren die für Frühchen und Drillinge sogar proper; die waren über drei Pfund schwer. Aber wenn man sonst so die Kinder kennt… Die Kinder waren dann sieben Wochen im Krankenhaus. Ich wurde nach einer Woche entlassen. Nachdem ich entlassen wurde, war ich jeden Tag von 10-18 Uhr im Krankenhaus und habe in der Zeit die Kinder auch alleine versorgt. Gestillt habe ich nicht; ich habe abgepumpt, zehn Wochen lang. Ich wollte, dass meine Kinder Muttermilch bekommen, weil da ein paar Abwehrstoffe für die Kinder drin sind, die ihnen helfen können, und diese Stoffe hat man nicht in der Pulvermilch. Aber dann war das zu stressig und ich habe damit aufgehört. Ich musste sowieso von Anfang an zufüttern, deswegen war es kein Problem, auf die Flasche umzustellen.
Wie war die erste Zeit mit den Kindern zu Hause?
Ich war am Anfang nicht so flott im Füttern, aber die Kinder haben sich das schön eingeteilt, die kamen im Stundentakt. Bei Drillingen hat man permanent ein Kind auf dem Arm. Der erste kam nachts um eins, dann habe ich den gefüttert und hingelegt, und dann war zwei Uhr und der zweite kam schon. Um drei Uhr kam der dritte, und dann konnte ich mich für eine Stunde hinlegen, bis um vier Uhr der erste schon wieder kam. Pro Nacht habe ich circa vier Stunden geschlafen – aber nicht am Stück. Das war aber kein Problem. Das Kuriose ist, dass der Körper sich drauf einstellt. Als die Kinder nach ein paar Wochen zum ersten Mal durchgeschlafen haben, bin ich morgens um sechs Uhr ins Kinderzimmer gestürmt und hatte Angst, dass etwas passiert ist. Dabei war alles in Ordnung, die haben einfach nur durchgeschlafen. So verrückt ist man einfach.
Hast du die drei Kinder alleine versorgt?
Mein Mann hatte, als die Kinder nach Hause kamen, zwei Wochen Urlaub. Das war ganz nett, aber ich war auch froh, als er nach zwei Wochen wieder arbeiten ging. Denn man muss ja seinen eigenen Rhythmus mit den Kindern finden, und das kann man nur alleine. In diesen zwei Wochen hat mein Mann die Kinder gefüttert und ich bin auch mit aufgestanden und habe in der Zeit dann abgepumpt.
Als mein Mann wieder arbeiten gegangen ist, war ich morgens mit den Kindern alleine. Das fand ich eine angenehme Zeit. Da hatte ich meinen Rhythmus mit den Kindern und mir hat keiner dazwischengefunkt. Natürlich war ich auch froh, als mein Mann um 15 Uhr von der Arbeit kam. Meine Eltern wohnen nebenan und haben uns viel geholfen. Meine Mutter kam meist um 16 Uhr und mein Vater eine Stunde später. Die haben mir die Kinder dann mal abgenommen, so dass ich auch mal keines auf dem Arm hatte. Ich fand das erste Jahr zwar stressig, aber es ging. Das Schöne davon bleibt.
Wann hattest du das erste Mal kinderfrei?
Da waren sie um die zwei Jahre alt. Sie haben zum ersten Mal bei Oma und Opa geschlafen. Das haben mein Mann und ich schon genossen, wir sind einfach zu Hause geblieben und haben am nächsten Tag ausgeschlafen. Ab und zu schlafen auch heute noch die Kinder bei Oma und Opa, aber immer nur einer. Als die Kinder dann drei Jahre alt waren, sind meine Eltern mit den Kindern zehn Tage in Urlaub gefahren. Die Kinder hatten Spaß, und wir hatten zehn Tage ohne Kinder; das war sehr angenehm. Das war auch bisher das einzige Mal, dass sie ohne uns weg waren.
Wie war denn ein typischer Tagesablauf für dich, als die Kinder noch kleiner waren?
Morgens, wenn ich alleine war und die Kinder gefüttert habe, habe ich die Flaschen fixiert und die Kinder haben getrunken. Da ruft jeder Arzt: „Um Gottes willen, bloß nicht, die Kinder können sich verschlucken und müssen auch mal Bäuerchen machen.“ Aber ich habe keine drei Hände, ich musste es einfach so machen, und es hat geklappt. Da wird man pragmatischer. An drei Tagen in der Woche war ich mit den Kindern in der Krabbelgruppe. Im ersten Jahr kam mein Vater immer zu uns und hat das Mittagessen gekocht. Als sie dann ein Jahr alt waren, habe ich das Essen selbst gekocht. Das Wohnzimmer war kindersicher, da haben die Kinder gespielt, während ich gekocht habe. Seit mein Vater in Rente ist, kocht er wieder für alle. Darüber bin ich auch sehr froh.
Und wie läuft heute ein typischer Tag für dich ab?
Heute sind die Kinder um halb acht aus der Tür. Wenn sie zur Schule gehen, mache ich den Haushalt. Einmal in der Woche kommen die Kinder schon um 10:40 Uhr nach Hause, zwei Mal um halb zwölf und einmal um halb eins. Bis dahin habe ich gerade den Haushalt gemacht. Wenn ich dann noch kochen müsste, würde ich nicht mehr zu Rande kommen.
Mein Mann hat Schichtdienst. Wenn er Nachtschicht hat, kommt er um sieben Uhr morgens nach Hause und legt sich ins Bett. Wenn die Kinder von der Schule kommen, klappt es, dass sie eine halbe bis eine Stunde leise sind, aber die können nicht permanent leise sein. Dann wird der Papa wach.
Nach dem Mittagessen machen die Kinder Hausaufgaben. Die machen sie selbstständig, aber ich sitze daneben und stricke. Dann kann ich immer schauen, wie weit sie sind. An einem Nachmittag haben die Kinder zu dritt Klavierunterricht. Dann kommt die Kalvierlehrerin für eine Stunde zu uns nach Hause und jedes Kind kann 20 Minuten spielen. An einem anderen Nachmittag haben sie Schwimmkurs und an einem dritten Tag gehen sie alle in eine Fußball AG, die von der Schule aus organisiert wird. Und alle zwei Wochen gehen sie zum Tanzen. Zum Schwimmen muss ich sie fahren, ansonsten gehen sie alleine hin. Dann kann ich zu Hause was vorbereiten und erledigen.
Was bedeutet es für dich, dass deine Eltern neben euch wohnen?
Das hilft uns auf jeden Fall. Vor allem in den ersten beiden Jahren war das eine große Hilfe. Die wären ohne meine Eltern wesentlich anstrengender gewesen. Und jetzt entschärft es manche Situationen. Ich kann zum Beispiel auch mal eines der Kinder rüberschicken. Letztens hat sich Dominik geweigert, mit mir Hausaufgaben zu machen. Dann habe ich gesagt: „Geh rüber, mach das mit denen“, und das hat gut geklappt. Ich und mein Mann sind auch ein gut eingespieltes Team; das muss man auch sein, sonst tanzen einem die Kinder auf der Nase rum.
Gibt es Momente am Tag, wo du dich auch mal auf die Couch legst und nichts machst?
Im Normalfall nicht, dafür bin ich auch nicht der Typ. Wenn mein Mann mittags da ist, dann geht er auch mal mit den Kindern in den Park oder macht eine Radtour mit ihnen. Die Kinder gehen regelmäßig zu Oma und Opa rüber, da habe ich immer schon mal fünf Minuten zwischendurch alleine. Aber ich brauche tagsüber auch keine Zeit für mich; die habe ich dann abends. Die Kinder gehen um halb acht ins Bett und dann ist die Couch mein bester Freund. Dann ruhe ich mich aus; mache die Glotze an und lasse mich berieseln. Man setzt mit Kindern eben die Prioritäten anders, und das ist auch völlig okay.
Wie triffst du dich mit FreundInnen?
Die Freundinnen, die Kinder haben, sehe ich nachmittags, zusammen mit den Kindern, die dann auch gemeinsam spielen. Wir sagen den Kindern, dass wir in Ruhe reden wollen und sie spielen gehen sollen. Da muss man auch sagen: „Da ist die Grenze, hier sind wir jetzt mal für uns“. Das klappt problemlos. Die Freundinnen ohne Kinder lade ich am Wochenende zu uns nach Hause ein, mit drei Kindern will ich nicht in die Zwei-Zimmer Wohnung meiner alleinstehenden Freundin. Ich überfalle die Leute ungern mit meinen drei Kindern.
Du bist jetzt seit 6 ½ Jahren zu Hause. Willst du wieder arbeiten gehen?
Ich werde arbeiten gehen müssen, rein aus finanzieller Sicht. Im Moment habe ich das Glück, zu Hause bleiben zu können. Das Problem ist, dass ich einen sehr typischen Frauenjob habe, ich bin Bibliotheksassistentin, so dass ich dann auf Steuerklasse fünf arbeiten gehe, sowieso nur halbtags. Das heißt, ich verdiene gerade das, was ich der Offenen Ganztagsschule für die Kinderbetreuung bezahlen müsste. Mal kann mein Vater die Kinder nehmen, aber nicht täglich, das schafft er nicht. Die drei geballt sind eine Macht. Ich müsste also dann an eine Offene Ganztagsschule denken, und dazu verdiene ich zu wenig, schon alleine drei Mal das Mittagsessengeld kostet viel. In der Offenen Ganztagsschule wären die Kinder maximal bis 16 Uhr betreut. Wenn ich in der Bibliothek im Ausleihbereich arbeiten müsste, dann hätte ich einmal die Woche bis 20:15 Uhr Dienst. Wie soll ich das machen, wenn mein Mann Spätschicht hat? Dann müsste mein Vater den kompletten Nachmittag die Kinder alleine versorgen, und das geht nicht. Für mich ist Familie und Beruf schwer zu vereinbaren. Dabei hätte ich schon irgendwie auch Lust, arbeiten zu gehen. Ich würde einfach gerne was zur Haushaltskasse beitragen. Denn heutzutage ist es ja so, dass eine Hausfrau und Mutter nichts wert ist, weil sie nichts verdient. Neulich wurde ich zum bedingungslosen Grundeinkommen befragt. Also ich persönlich fänd das ne tolle Sache, dadurch würde auch meine Arbeit gewürdigt werden. Mein Mann würde trotzdem weiter arbeiten gehen, wir würden ja nicht auf der faulen Haut liegen. Also für uns wäre das ideal.