MAIKE aus Köln, 41, Rechtsanwältin. Lebt gemeinsam mit dem Vater des Kindes in fester Beziehung. Zwei Töchter, 5 und 2 Jahre alt. Arbeitet 30 Stunden in der Woche.
Wie waren die Schwangerschaften?
Ich wollte schwanger werden. Es hat aber ein Jahr gedauert, bis es geklappt hat. Die erste Schwangerschaft war unproblematisch. Ich habe die ganze Zeit gearbeitet; nur am Ende war ich ein bißchen behäbig. Bei der zweiten Schwangerschaft war es viel anstrengender, weil ich ja schon ein Kind hatte. Bei der ersten Schwangerschaft hatte ich mich nach der Arbeit schon mal hingelegt, aber bei der zweiten ging das ja nicht, da hat man ja direkt ein Kind, um das man sich kümmern muss. Am Ende habe ich die Tage gezählt und war froh, als ich nicht mehr arbeiten gehen musste.
Wie hast du dich auf die Geburt vorbereitet?
Bei der ersten Geburt habe ich einen Wochenendkurs gemacht. Im Nachhinein finde ich das Quatsch, denn da wird nur auf die physischen Sachen wert gelegt; also was mit dem Körper passiert und wie man atmen soll. Aber jede Geburt läuft ja anders und ich glaube nicht, dass man das sehr beeinflussen kann. Ich denke, es wäre sinnvoller, wenn man auf die Situation vorbereitet werden würde, wie sich das Leben als junge Mutter und eine Partnerschaft verändert. Das hat mir gefehlt. Irgendwie war ich schon erstmal geschockt. Obwohl ich mir ja ein Kind gewünscht hatte. Aber dann rund um die Uhr verantwortlich zu sein für so ein kleines Wesen – das war ein Schock. Vorher denkt man sich, dass das Kind das Glück perfekt macht. Aber es war nicht so, dass ich dann nur glücklich war. Ich hatte auch ein bißchen eine Wochenbettdepression, weil das mit dem Stillen nicht geklappt hat. Das kam dann noch so dazu: Dieser Still-Terror, der auf einen ausgeübt wird.
Was meinst du damit?
Es wird einem ja immer gesagt, dass man unbedingt stillen muss. Und wenn das nicht funktioniert, wird einem von allen Seiten Stress gemacht, und man fühlt sich als schlechte Mutter. Ich habe es versucht mit dem Stillen, steht ja auch überall, „Stillen ist das Beste für ihr Kind“, auf jeder Babymilchpackung. Die Hebamme hatte die Waage vergessen, und dann ist erst viel später aufgefallen, dass Amilia nicht zunimmt, wie sie soll, sondern sogar abnimmt. Für mich sah es aus, als ob sie trinkt, aber sie hat nicht genug Milch aufgenommen. Dann musste ich abpumpen, und das fand ich total schrecklich. Dann hieß es immer „Versuchen sie es weiter, irgendwann kommt der Durchbruch.“ Aber das hat nicht funktioniert. Dann habe ich den Kinderarzt gewechselt und der sagte, dass es den Stress nicht wert ist, wenn es nicht klappt, dann klappt es eben nicht. Und dann habe ich aufgehört und es ging mir direkt besser.
Beim zweiten Kind hat das Stillen auch nicht funktioniert. Ich hatte mir für die zweite Geburt eine Hebamme gesucht, die ständig für mich zuständig war. Bei der ersten Geburt fand ich es so schlimm, dass sich niemand für mich zuständig gefühlt hat. Die Hebamme hat auch die Nachsorge gemacht. Ihr habe ich dann erzählt, wie es beim ersten Kind mit dem Stillen lief, und gesagt, dass ich das nicht lange mitmache. Sie wollte, dass wir es 10 oder 14 Tage lang versuchen. Sie hatte einen Ehrgeiz entwickelt, und alle möglichen Sachen überlegt, wie es doch klappen könnte. Aber es hat nicht geklappt, und dann habe ich damit aufgehört. Das hat mich nicht mehr so frustiert wie beim ersten Mal. Die Hebamme hat dann gesagt, wie sehr das Kind darunter leidet, und dass es viel mehr Krankheiten bekommen wird, wenn es nicht gestillt wird. Tatsächlich hatte die Marlene kein einziges Mal Fieber im ersten Jahr. Ich war nur zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt, weil sie nie etwas hatte. Das hätte ich der Hebamme im Nachhinein schon noch mal gerne gesagt.
Wie war denn die Geburt deiner ersten Tochter?
Die Entbindung war ziemlich anstrengend, das hat sich ziemlich lange hingezogen, und im Krankenhaus waren auch ziemlich viele Geburten auf einen Schlag. Komischerweise hatte ich mir vorher überlegt, was das Schlimmste sein könnte bei der Geburt, und da dachte ich mir „Wenn die keine Zeit haben für dich.“ Und genauso war es dann auch. Da war gerade Wetterumschwung und es kamen massenweise werdende Mütter. Und weil es bei mir so langsam ging, hat sich erstmal niemand um mich gekümmert, da war ich ziemlich auf mich alleine gestellt.
Wie war die erste Zeit zu Hause?
Ich habe nach der ersten Geburt ein Jahr Elternzeit genommen. Mein Mann ging weiter Vollzeit arbeiten. Die erste Zeit war überschattet vom Stillen. Das Baby schreit, will ständig essen, dann stellt sich heraus, dass sie nicht genug an Gewicht zunimmt, und dann ist das ja direkt ein Risiko und lebensbedrohlich. Da war ich verunsichert: Muss ich jetzt zufüttern?
Als ich dann mit der Flasche gefüttert habe, war das eine schöne Zeit und ich konnte es genießen. Die Fertignahrung hält auch länger satt, dann wird das Kind in der Nacht nicht ständig wach und will gefüttert werden. Das ist dann alles nicht mehr so anstrengend.
Die Hausarbeit wird viel mehr, wenn plötzlich ein Kind da ist. Da hatte ich das Gefühl, ich räume ständig die Spülmaschine und die Waschmachine aus und wieder ein. Das war schon ein bißchen öde. Aber weil ich wusste, dass ich das nicht ewig so mache, war es auch okay. Gut war auch, dass ich mir beim ersten Kind eine Krabbelgruppe gesucht hatte mit anderen Müttern, da haben wir uns unterstützt und ausgetauscht. Das war wichtig, weil man ja auch viel alleine ist und sich zum Beispiel ja auch niemand bedankt. Wenn man arbeitet, hat man ja ständig Kontakt mit Leuten, und die bedanken sich, wenn man etwas für sie tun konnte. Und das hat mir gefehlt, dass sich keiner bedankt.
Wie war die Situation nach der Elternzeit?
Als die Elternzeit nach dem ersten Kind vorbei war, wollte ich Vollzeit arbeiten. Dann ging es los mit der Betreuungsplatzsuche. Ich hatte mir voher wenig Gedanken darüber gemacht, wie schwierig es ist, einen Betreuungsplatz zu finden. Und dann war es schon zu spät. Bei einer Elterninitiative hatten wir ein Gespräch, aber die haben uns nicht angenommen. Das war praktisch ein richtiges Vorstellungsgespräch. In einer Zeitung gab es mal einen Artikel, „Stühlekreis und Früchtetee“, den habe ich hinterher gelesen und mich totgelacht, weil es genau so ist. Im Nachhinein bin ich froh, dass es nicht geklappt hat und ich mit den Leuten nichts zu tun habe. In dem Moment war das aber blöd, denn ich wollte einen Betreuungsplatz, der ab dem ersten Lebensjahr bis zur Schulzeit geht. Mein Partner hatte dann die Idee, dass wir uns mal mit unseren Nachbarn austauschen. Die hatten Kinder in ungefähr demselben Alter. Ob man sich mal abwechseln konnte. Mein Partner hat sich nach dem ersten Jahr Elternzeit genommen, darauf habe ich bestanden. Er hatte dann zwei Jahre Elternzeit, in denen er drei volle Tage in der Woche gearbeitet hat.
Und dann hat mein Partner zwei Tage auf die Nachbarskinder aufgepasst und der Nachbarsvater drei Tage die Woche auf unsere Tochter. Das hat organisatorisch super funktioniert, aber eine professionelle Einrichtung ist doch besser. Das lief so bis unsere Tochter zwei wurde. Dann haben die Nachbarn ein drittes Kind bekommen. Da war uns klar, dass das Modell jetzt nicht mehr funktioniert. Wir haben dann einen Platz in einem städtischen Kindergarten bekommen. Das fing da gerade so an, dass die auch Zweijährige genommen haben. Die hatten bis halb vier geöffnet, und wir haben dann unsere Eltern eingespannt: An den drei Tagen, an denen mein Partner gearbeitet hat, wurde unsere Tochter von ihnen abgeholt. Die sind extra von Erftstadt und Bonn nach Köln zum Abholen gekommen. Das war okay, aber es wäre schöner, wenn die Einrichtungen länger offen hätten. Ich musste bis um 17 Uhr arbeiten, mein Partner bis 16:30 Uhr, also so bis um 17 Uhr hätten der Kindergarten für uns geöffnet sein müssen.
Warum war es dir wichtig, dass dein Partner Elternzeit nimmt?
Ich wollte, dass es gerecht verteilt ist. Wie gut das wirklich ist, habe ich erst gemerkt, als es soweit war. Er hat mitbekommen, wie anstrengend die Kinderbetreuung ist. Bei anderen Müttern, die drei Jahre zu Hause bleiben, denkt der Mann ja oft: „Was macht die denn den ganzen Tag, die hat ein schönes Leben zu Hause.“ Mein Partner wusste dadurch, wie nervig so ein Kind sein kann. Er sagt jetzt auch immer, dass er die Erfahrung nicht missen will. Für ihn war es in seinem Betrieb sehr schwierig, weil er der erste Mann war, der Elternzeit beantragt hat, und damit hat er sich nicht beliebt gemacht. Das hatten wir gar nicht so eingeschätzt. Die sagten dann: „Das hatten wir ja noch nie, sie sind doch ein Mann, wie stellen sie sich das denn vor?“
Wie war es für ich, wieder Vollzeit zu arbeiten?
Das war absolut unproblematisch. Man denkt ja, man hätte alles verlernt und kommt nicht mehr rein. Aber so war es gar nicht. Vielen ist noch nicht mal aufgefallen, dass ich weg war. An den Tagen, an denen mein Partner zu Hause war, hatte er gekocht, wenn ich nach Hause kam. Da konnte ich nicht meckern, er war schon ein guter Hausmann. Man hat halt keine Pause nach der Arbeit, sondern kümmert sich direkt weiter ums Kind.
Dann wurdest du nochmal schwanger. Wie hattet ihr die Kinderbetreuung da geregelt?
Amilia war zweieinhalb Jahre alt, als ich wieder schwanger wurde. Wir sind in einen neuen Kindergarten, weil da die Öffnungszeiten großzügiger waren. Mein Partner hat wieder angefangen, Vollzeit zu arbeiten. Ich war im Mutterschutz und danach war ich zwei Jahre zu Hause, weil ich keine Lust mehr auf den Betreuungsplatzstress hatte und ich wusste, dass sie nach zwei Jahren in den Kindergarten gehen kann. Diese zwei Jahre habe ich sehr genossen. Ich wusste ja, es sind nur zwei Jahre, und danach bekomme ich auch kein Kind mehr. Außerdem gab es nicht mehr diese Umstellung: Man weiß ja schon, wie es ist, ein Baby zu haben.
Dann hatte ich damit gerechnet, dass ich wieder Vollzeit arbeiten müsste. Ich arbeite in einem sehr kleinen Büro und dachte, dass mir mein Chef weniger als Vollzeit nicht mehr genehmigen wird. Das hat dann aber doch geklappt: Ich konnte 30 Stunden arbeiten, genauso viel, wie ich wollte. Meine Tochter kommt ja jetzt in die Schule und da habe ich mich informiert, wie es dort mit den Betreuungszeiten ist: Freitags nur bis um drei, sonst bis halb vier. Da habe ich mir schon ausgerechnet, wie ich flitzen muss, um das zu schaffen. Ich hatte dann überlegt, nur 20 Stunden zu arbeiten. Das hatte ich mit meinem Chef besprochen, aber sehr schnell gemerkt, dass ich mich sehr unbeliebt machen würde, wenn ich nur 20 Stunden arbeiten würde. Dann dachte ich: Da muss ich jetzt durch. Und jetzt im Nachhinein finde ich es auch super mit den 30 Stunden. Es wurde Gleitzeit bei uns in der Firma eingeführt, und das kam wirklich wie ein Geschenk.
Wie organisiert ihr euch Freiräume?
Beim ersten Kind war uns das sehr wichtig. Jeder hatte einen Tag des Wochenendes frei und konnte machen, was er wollte. Bekannte haben sich da oft drüber lustig gemacht. Das war jetzt nicht so ganz strikt, also wir haben trotzdem auch viel zusammen gemacht; dann durfte halt jeder mal bestimmen, was wir unternehmen. Ich hatte meist den Samstag frei und war dann oft im Gesangsunterricht oder Shoppen. Mein Partner ging wandern. Das machen wir jetzt nicht mehr.
Wie hat sich eure Beziehung durch die Kinder verändert?
Man muss lernen, dass man viel weniger Zeit miteinander hat. Und man muss sich, auch wenn man zusammenlebt, miteinander verabreden. Wenn man mal ausgehen will oder so, dann muss man ja jemanden organisieren, der die Kinder betreut. Man muss sich schon bewusst sein, dass man sich darum kümmern muss. Sonst läuft sich das so auseinander und man ist ganz schnell nur noch Eltern und kein Paar mehr. Das muss man lernen. Und das sind auch immer so Höhen und Tiefen: Mal verliert man sich aus den Augen, und dann merkt man wieder, dass man sich umeinander kümmern muss. Das ist ja bei allen so, und es gibt ja auch viele, die sich kurz nachdem sie ein Kind bekommen haben, trennen.
Gibt es etwas, was du dir von der Politik wünschen würdest?
Ich würde mir wünschen, dass nach dem ersten Lebensjahr jeder einen städtischen Ganztagsplatz bekommt. Die privaten Einrichtungen, die es so gibt, die sind ja sehr teuer. Die kosten teilweise bis zu 700 Euro im Monat. Ich fände es besser, wenn das Elterngeld in die Betreuung fließen würde. Das Kindergeld finde ich Quatsch. Bei den sozial schwachen Familien weiß man nicht, wofür das verwendet wird. Und die schicken dann ihre Kinder, um Geld zu sparen, nicht in den Kindergarten, obwohl es für die am wichtigsten wäre. Ich finde es auch wichtig, dass die Betreuung hochwertig ist: Dass das Essen gut ist und genug Erzieherinnen da sind und die auch eine gute Ausbildung haben, Weiterbildungen machen und so weiter. Denn die tragen eine große Verantwortung, die können ja Sachen frühzeitig bei Kindern erkennen, wenn irgendwas nicht stimmt. Ein Studium, so wie es in anderen Ländern geregelt ist, fände ich sehr angebracht.

Wirklich unfassbar. Original meine Situation.
Ich bin Ärztin und wollte eigentlich auch wieder voll arbeiten. Allerdings sind hier die Betreuungsplätze für Kinder ab einem Jahr im ganzen “Kreis” auf 10 Plätze beschränkt.
Mein Partner sollte eigentlich Elternzeit machen (was ihm nicht schaden würde, er ist nämlich genauso einer, der sich so äussert .. Zitat:„Was macht die denn den ganzen Tag, die hat ein schönes Leben zu Hause.“)
Nun hat er aber eine unbefristete Festanstellung bekommen (nach 2 Jahren Arbeitslosigkeit), was hier in der Gegend ein 6er im Lotto ist, verdient aber nicht genug Geld, um uns alle durchzufüttern, so dass ich die Elternzeit auf 3 Jahre verlängern könnte. Somit muss ich nach dem einen Jahr einen Betreuungsplatz für das Kindchen finden. Tagesmutter ist eindeutig zu teuer. Da brauch ich auch nicht arbeiten gehen.
Letztendlich läuft es auf eine reduzierte Stelle hinaus, was in meinem Beruf (auch noch Sparte Chirurgie) katastrophal und nicht umsetzbar ist.
Nun kam mir das Glück zur Hilfe. Nach verzweifelten Anrufen in allen Kindergärten des Umkreises, habe ich einen erwischt, der gerade jetzt.. in den nächsten Monaten eine Krippe aufmacht. Aber moment! Da gibts einen Haken: Die Krippe befindet sich zwar im Nachbarsdorf, kann aber mein Kind nur mit Sondergenehmigung aufnehmen, da sie für meinen Ort nicht zuständig sind. Hä?! Selbst wenn es nun klappen sollte: ist hier nur eine reduzierte Stelle möglich, da meine Arbeitszeiten nicht den Betreuungszeiten entsprechen. (6:45 bis 18:00 Arbeitszeit, Kinderbetreuung 7:30 bis 16:00)
Um nochmal auf das Stillen zurückzukommen. Ja, der Stillterror, der ist mir nur zu gut bekannt. Was habe ich mich schlecht gefühlt. Was habe ich mich 2 Monate gequält und jeden ml aus mir rausgepresst und mit Erschrecken festgestellt “es wird immer weniger”… All die guten Ratschläge “entspann dich, das wird schon”… bitte? Entspannen? Man ist doch die ersten “Wochenbett-Wochen” nur mit Papierkram und Arztzerminen beschäftigt… alles fristgerecht natürlich zu erledigen! Wie soll man sich denn da bitte entspannen und die Wochenbettzeit im Bett verbringen? Dann die klugen Hebammentipps: Ich habe Literweise Malzbier in mich reingeschüttet. Kannen Tee. Töpfe voll Suppe. Resultat war: 20kg Gewichtszunahme nach der Schangerschaft (während Schwangerschaft hatte ich sogar abgenommen!)
NIE wieder! Meine Kleine ist auch so topfit und war noch nicht krank.
Übrigens warte ich seit bereits 5 Monaten auf die erste Zahlung Elterngeld. (beantragt direkt nach Geburt) Trotz mehrfachem Nachdruck lassen die sich wirklich viel Zeit. Für jemanden ohne Rücklagen wäre das eine absolute Katastrophe. Zumindest würde sich das Betreuungsproblem von selbst lösen – eine solche Famile wäre bereits verhungert.
Hallo Lilo,
danke für deinen Erfahrungsbericht! Ich drücke die Daumen, dass es mit einem Betreuungsplatz klappt.